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2010 - Wirtschaftstreffen - Die Gesundheitsbranche ist fit

 

 

Beim traditionellen Wirtschaftstreffen der FDP Bezirk Rheinfelden wurde das Gesundheitswesen aus wirtschaftlicher Perspektive näher beleuchtet. Vor lauter Ärger über die jährlich steigenden Krankenkassenprämien geht bisweilen vergessen, dass unser Gesundheitswesen eine hohe Wertschöpfung erbringt, interessante Arbeitsplätze bietet und wertvolle medizinische Fortschritte erzielt. Trotzdem muss in Zukunft eine bessere Abstimmung unserer Leistungsansprüche mit unserer Zahlungsbereitschaft stattfinden.

 

 

Im Bild links Samuel Rom CEO Schützen AG, Christoph von Büren, FDP Bezirk Rheinfelden und Robert Rhiner, Leiter Gesundheitsversorgung im DGS Lesen Sie mehr im Tagungsbericht von Manuel Mauch oder den Bericht in der AZ vom 08.09.2010

 

 

 

Wirtschaftstreffen 2010 der FDP Bezirk Rheinfelden vom 06.09.2010

 

Gesundheitsbranche im Fricktal - Herausforderungen und Perspektiven

 

Beim traditionellen Wirtschaftstreffen der FDP Bezirk Rheinfelden wurde das Gesundheitswesen aus wirtschaftlicher Perspektive näher beleuchtet. Vor lauter Ärger über die jährlich steigenden Krankenkassenprämien geht bisweilen vergessen, dass unser Gesundheitswesen eine hohe Wertschöpfung erbringt, interessante Arbeitsplätze bietet und wertvolle medizinische Fortschritte erzielt. Trotzdem muss in Zukunft eine bessere Abstimmung unserer Leistungsansprüche mit unserer Zahlungsbereitschaft stattfinden.

 

 

Dr. Robert Rhiner (Leiter Abteilung Gesundheitsversorgung, Kantonales Departement für Gesundheit und Soziales) erläuterte in seinem Referat einerseits den geschichtlichen Hintergrund der Aargauischen Spitallandschaft (Bezirksspitäler) und wies andererseits auf die aktuellen und zukünftigen Gegebenheiten (erhöhte Mobilität) und Herausforderungen hin. Die starke Bevölkerungsentwicklung im Fricktal und die steigende Lebenserwartung stellen für die hiesige Gesundheitsbranche Herausforderungen dar, die durchaus auch als Chancen verstanden werden können. Problematischer ist hingegen das regulative Umfeld. Dazu gehören insbesondere die kantonalen Spitallisten, für die im Kanton Aargau ein Bewerbungsverfahren vorgesehen ist. Ferner tritt bald eine neue Spitalfinanzierung in Kraft, die von der Objekt- zur Subjektfinanzierung übergeht. Hierdurch entsteht für die Spitäler ein hoher Druck, genügend Patienten bzw. Fallzahlen ausweisen zu können.

 

 

Für die Zukunft sei vermehrt ein überregionales Denken erforderlich, meinte Rhiner. Die Kantonsgrenzen seien in den seltensten Fällen dazu geeignet sind, Versorgungsregionen abschliessend zu definieren. Insbesondere bei der Spitzenmedizin ziele eine kantonale Fragmentierung weit am Bedarf vorbei. Dagegen spricht nicht zuletzt auch die gestiegene Mobilität. Das überregionale Denken sei auch für die Gesundheitsbranche im Fricktal von Bedeutung, da sie nach wie vor stark auf überkantonale Patientenzuströme angewiesen sei.

 

 

Die Qualität der erbrachten Leistungen werde in Zukunft vermehrt messbar sein, da hohe Anforderungen an die Transparenz gestellt werden, sagte Robert Rhiner. Auch die Effizienz müsse im Hinblick auf die ausgereizte Zahlungsbereitschaft der Prämienzahler verstärkt im Fokus stehen. "Wenn der zusätzliche Nutzen von medizinischen Behandlungen oder Spitalkapazitäten in keinem Verhältnis zu den zusätzlich anfallenden Kosten steht, muss konsequenterweise Verzicht geübt werden", so Rhiner. Zudem könne eine übermässige Industrialisierung der Gesundheit nicht in unserem Interesse liegen.

 

 

Dr. Samuel Rom (CEO, Schützen Rheinfelden AG) betonte den hohen Nutzen, der insbesondere auch von den privaten Kliniken erbracht wird und bemängelte, dass sich die Diskussionen zu oft einseitig um die Kosten drehen. Ein Spitalbetrieb sei in ein hochkomplexes wirtschaftliches Umfeld eingewoben und damit in existenzieller Weise davon abhängig, auf einer Spitalliste aufgeführt zu sein oder nicht. Rom leuchtete die Rolle des Kantons kritisch aus, da er im Gesundheitswesen in vielfacher Weise aktiv wird: Ressourcen verteilen, Bewilligungen aussprechen, Tarife bestimmen, Leistungen einkaufen, Kontrollen vornehmen, Spitäler betreiben, Immobilien besitzen und Prämien verbilligen. Vor diesem Hintergrund erstaune es nicht, dass auch der Kanton Aargau im Umgang mit Privatkliniken nach wie vor Mühe bekundet.

 

 

Die Bedeutung der Gesundheitsbranche im Fricktal sei erheblich. Alleine die vier Betriebe Gesundheitszentrum Fricktal, Reha Rheinfelden, Schützen Rheinfelden sowie das Kurzentrum Rheinfelden wurden 1563 Mitarbeiter beschäftigen und weisen einen Umsatz von 187 Mio. Franken auf. Neben den volkswirtschaftlichen Aspekten betonte Dr. Samuel Rom aber auch Werte, die nicht mittels Zahlen gemessen werden können und die ein Spitalbetrieb trotzdem erbringen muss. Dazu gehören insbesondere Vertrauen, ein guter Ruf, Menschlichkeit der Medizin und eine ganze Reihe an weiteren Werten, die auch für den nachhaltigen Erfolg eines jeden KMU unerlässlich sind.

 

 

Das diesjährige Wirtschaftstreffen beleuchtete vor allem die wirtschaftlichen Aspekte des Gesundheitswesens. Eine Ausweitung des Themenkreises hätte den Rahmen dieser Veranstaltung gesprengt. Die Abstimmung unserer Leistungsansprüche mit unserer Zahlungsbereitschaft bleibt eine zentrale gesundheitspolitische Herausforderung. Da nur mit marktwirtschaftlichen Instrumenten eine dynamische Abstimmung möglich ist, darf davon ausgegangen werden, dass die kantonalen Spitallisten und die vielen anderen planwirtschaftlichen Eingriffe keine optimale Lösung darstellen.

 

 

07. September 2010 Manuel Mauch, Wallbach