Archiv Bezirk

2009 - Bericht über das Wirtschaftstreffen der FDP Bezirk Rheinfelden

Am 7. September 2009 fand das traditionelle Wirtschaftreffen der FDP Bezirk Rheinfelden im Schützenkeller statt. Der Anlass stand unter dem Titel

 

"Unternehmensführung in schwierigen Zeiten".

 

Es referierten die Herren Christian Kuoni, Leiter Jakob Müller Gruppe und Peter von Büren, Chief Financial Officer der Highlight Communications AG - beide wohnhaft im Fricktal. Lesen Sie den Bericht aus der AZ von Peter Hagemann

Die Rheinfelder FDP präsentierte wieder ein Wirtschaftstreffen

PETER HAGEMANN

 

Anhand zweier Firmenbeispiele widmete sich die Ortspartei der Liberalen am Montagabend im Schützenkeller der Wirtschaftskrise. Vertreten waren mit der Jakob Müller Holding AG, Frick, und der Highlight Communications AG mit Sitz in Pratteln sowohl ein Schweizer Mittelständler als auch eine börsenkotierte, international operierende Firma. Gegensätzlicher hätten die Referate von Christian Kuoni (Leiter Jakob Müller Holding) und Peter von Büren (Managing Director Highlight Communications) kaum sein können. «Da scheinen zwei Welten auf», sagte Peter Frick, Bezirkspräsident der FDP,  im Ab- schluss des offiziellen Teil des Abends. «Nach einem Referat wie dem von Christian Kuoni wäre unser Aktienkurs auf null», ergänzte Peter von Büren. Doch der hat gut reden. Zwar hat auch die Highlight Communications Einbrüche zu verzeichnen, etwa im Bereich der TV-Produktion. «Den Sendern fehlen derzeit Werbeeinnahmen», erklärte von Büren dazu. Im Grossen und Ganzen jedoch bleibe man auf Wachstumskurs. «Wir leben ein bisschen von dieser Krise», so von Büren, dessen Kommunikations- und Marketingfirma in den Bereichen Fussball, Film und Entertainment arbeitetet, etwa die Uefa-Spiele vermarktet und «erfolgreichster unabhängiger Produzent und Verleiher in Deutschland» gilt – dies bei einem Jahresumsatz von gegen 500 Millionen Franken.

 

Hohes technisches Niveau

Dann kam Christian Kuoni: was einst Bandfabrik war, präsentiert heute als moderner Anbieter von Systemen und Lösungen für Band und Schmaltextilien; auf höchstem technischem Niveau. Das umfasst nicht nur Maschinenbau, sondern auch die dazugehörigen IT-basierten Steuerungs- und Designsysteme. Auch Jakob Müller agiert und produziert heute international, so auch in Asien. Doch der Maschinenbauer hat trotz Krise auch im Fricktal investiert, etwa in Frick und auch in Möhlin – auf dem Bata-Gelände – neue Produktionshallen gebaut. Kuoni machte gleich zu Beginn des Referates klar: «Ich werde nicht auf Finanzen, etwa Liquidität oder Bilanz, eingehen.» Trotz teilweise massiven Einbrüchen sei Jakob Müller zahlenmässig gar nicht so schlecht dran.

 

Düstere Weltbank-Prognosen

Anschliessend jedoch entwarf der Unternehmer nicht wie von Büren ein Firmenporträt, sondern befasste sich mit der Weltwirtschaftslage und den damit verbundenen allgemeinen Aussichten – dies nach dem Leitsatz «Denke das Undenkbare, denn es wird eintreten. » Ausgehend von Daten und Zahlen der Weltbank zeichnete der Unternehmer ein eher düsteres Bild für die Zukunft und zeigte damit auf, woran sich seine Firma, um weiterhin erfolgreich zu bleiben, ausrichten müsse. Gemäss Weltbankprognosen werde sich Europa darauf einstellen müssen, dass die wirtschaftliche Wertschöpfung bis ins Jahr 2030 um rund die Hälfte einbricht. Die Krise, die sich schon im Jahr 2007 deutlich abgezeichnet habe, führt Kuoni letzten Endes auf die gigantischen Schuldenberge westlicher Industriestaaten zurück. Mit Gewinnen aus der Wirtschaft liessen sich solche Defizite künftig nicht mehr ausgleichen. Damit verbunden, erwartet Kuoni längerfristig gesehen etwa auch den Wertzerfall von bislang sicheren Staatsanleihen. Hinzu kämen die weiteren grossen Probleme der Welt: Überkapazitäten, Umweltzerstörung, Habgier, Kriege, starkes Bevölkerungswachstum sowie grosse Armut bei grossen Teilen der Weltbevölkerung.

 

Verluste sozialisiert

«Der gesunde Menschenverstand und das Augenmass sind, zumindest im Westen, verloren gegangen», so Kuoni weiter. Risiken würden nach wie vor nicht ernst genommen, Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert. «Was zur Zeit abläuft», so fasste es Kuoni zusammen, «ist keine normale Rezession oder Krise mehr, sondern der Zusammenbruch oder zumindest eine letzte Warnung vor dem Zusammenbruch der westlichen Überflussgesellschaft!» Gewiss sei bloss eines: «Wir befinden uns im Blindflug und werden eine Phase mit grossen Unsicherheiten und Gefahren erleben.»